Fantasy Filmfest Nights – Sonntag

13:00 ALONE
Und plötzlich ist Leila ganz allein und die 500.000-Einwohner-Stadt, in der sie lebt, sieht wie Hals über Kopf verlassen aus. Sie trifft nach einiger Zeit auf weitere Jugendliche, die alle die gleiche Geschichte erzählen: sie sind früh morgens aufgewacht und alle waren weg. Ich bin völlig geflasht aus diesem Film gekommen und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu loben. Der Cast ist toll, die Bilder sind großartig, die Geschichte ist fesselnd und die Figuren und die Freundschaft, die zwischen ihnen entsteht … und ich hab mich die ganze zeit gefragt, wie die Auflösung sein würde, ich hatte keine Idee, und dann fallen die Puzzlesteine doch alle an ihren Platz. Hier passt alles. Die anderen Filme werden es heute schwer haben, das noch zu toppen • mehr auf fantasyfilmfest.com 

15:00 BERLIN SYNDROME
Die Australierin Clare, als Backpackerin in Berlin, findet nach einem One-Night-Stand mit dem charmanten Lehrer Andi am nächsten Morgen dessen Wohnungstür mit einem Stahlriegel versperrt vor. Er hat sie eingeschlossen. Anfangs hält sie das noch für ein Versehen, aber schon bald stellt sich heraus, dass es keines war. Andi, gespielt von Max Riemelt, hat beschlossen, dass sie jetzt ihm gehört. Max Riemelt ist mir zuerst in Sense8 aufgefallen. Er gibt hier den kontrollbesessenen Psychopathen mit einer Intensität, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Bilder und der Soundtrack tun ein übriges. Mir ist der Film mit knapp zwei Stunden ein bisschen lang geraten, hat mir aber über weite Strecken sehr gut gefallen. • mehr auf fantasyfilmfest.com 

17:30 THE LIMEHOUSE GOLEM
Und vom Berlin des 21. Jahrhunderts geht es ins London des späten 19. Jahrhunderts, wo ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Opulent ausgestattet und mit einer tollen weiblichen Hauptrolle…. und leider sehr schwer verständlichem Englisch. Den Plot hab ich wohl verstanden, aber mir werden einige Feinheiten entgangen sein. Umso mehr freut es mich, dass dieser Film am 7. September in die deutschen Kinos kommt. • mehr auf fantasyfilmfest.com

19:45 THE BELKO EXPERIMENT
Mit den Worten „Willkommen zum abgefuckten Bürofilm von James Gunn“ wurde uns diese Perle von einem Blutbad anmoderiert. Der ganz normale Officewahnsinn trifft hier auf den aus der Psychologie bekannten Weichenstellerfall, allerdings multipliziert mit dreißig. Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Homeoffice! • mehr auf fantasyfilmfest.com

21:45 THE BAR
Bei Alex de la Iglesia wird Hysterie zur Kunstform, und er wartet auch diesmal mit schrägen Figuren, absurder Komik und ekligen Details auf. Genau wie erwartet und ein würdiger Rausschmeißer Nach diesem Film hätte man gern Erfrischungstücher reichen dürfen. Das war’s mit den Fantasy Filmfest Nights für dieses Jahr. I’ll be back (<- bitte mit österreichischem Akzent lesen) • mehr auf fantasyfilmfest.com

Fantasy Filmfest Nights – Samstag


Dieses Jahr bin ich mal wieder dabei, und das auch gleich mit Dauerkarte. Zehn Filme werden gezeigt, alle nacheinander und nicht mehr parallel, so wie es in den letzten Jahren üblich ist und im Savoy-Kino auch gar nicht anders geht, denn die haben nur einen Saal. Das Kino ist toll, die Sitze bequem, das Foyer, in dem ich mich die Viertel- bis halbe Stunde zwischen den Filmen aufgehalten habe, gemütlich. Die Lage am Steindamm … nun. Nicht so schön. Aber dafür ist hoffentlich die Miete günstig. Ich war gestern doch ein bisschen überrascht, wie schlecht das Festival besucht ist.
Kommen wir zu den Filmen. Eine ausführliche Rezension kann und will ich hier gar nicht bieten, da gibt es genug Leute, die das besser können als ich. Ich schildere hier nur knapp meine Eindrücke, so, wie sie zwischen zwei Filmen aus mir herausfallen.

14:00 PET
Seth begegnet auf dem Heimweg von seiner Schicht im Tierheim Holly, seinem Highschool-Schwarm von früher. Er versucht, ein Date zu kriegen, kassiert eine Abfuhr, findet raus, wo sie wohnt, entführt sie und sperrt sie im Keller des Tierheims in einen Käfig. Soweit keine sonderlich überraschende Eröffnung, sozusagen „Bauer auf E 4“. Dann entspinnt sich zwischen den beiden ein fesselndes Psychospiel, dessen Verlauf ich so nicht erwartet hätte. Die beiden Hauptdarsteller spielen hervorragend zusammen die Dialoge sind auf den Punkt, hier stimmt alles. Besonders Ksenia Solo als Holly hat mir sehr gut gefallen. Empfehlung • mehr auf fantasyfilmfest.com

16:00 SWEET, SWEET LONELY GIRL
Schwer, Worte dazu zu finden, diesen Film muss ich wirklich noch ein bisschen sacken lassen. Die Stimmung hat mir gefallen, und der Regisseur sagte im anschließenden Q&A, dass die Stimmung auch das ist,worauf es ihm bei seiner Arbeit ankäme. Also dass der Plot hinter der Stimmung zurücksteht. Manche Leute mögen das nicht, er schon. Ich auch. Und wieder eine tolle weibliche Hauptrolle. Jetzt geht es weiter mit Vampirklamauk. Ich hätte gern noch ein halbes Stündchen Pause zum Nachsinnen, aber das gibt der Zeitplan nicht her. Schade. • mehr auf fantasyfilmfest.com

18:00 EAT LOCAL
Ich weiß nicht, woran es genau lag, aber leider hat dieser Film für mich nicht so recht gezündet. Und da – abgsehen von ein paar vereinzelten Lachern – keine Partystimmung im Kino aufkommen wollte, ging es wohl nicht nur mir so. Der Titel (auf dem Plakat am Ende mit einem blutig hingesplatterten S komplettiert) ist drollig, hat aber mit dem Inhalt im Grunde nichts zu tun. Die Figuren sind lustig, bleiben aber insgesamt zu flach (auch hier gibt es drei starke Frauenrollen, insgesamt scheint heute der Frauentag des Festivals zu sein). Dennoch: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine nette weißhaarige Dame mit Automatikwaffe noch keinen gelungenen Klamaukfilm. Die Handlung ist gerade eben rudimentär vorhanden. Es ist ein Stückwerk aus Ideen, das nicht so recht zusammenpassen mag. Und wenn jemand in der Beschreibung den britischen Humor lobt, hängt das meine Erwartungslatte ziemlich hoch. Einige Filme konnten die in den letzten Jahren auch reißen (Sightseers und Cockneys vs. Zombies fallen mir aus dem Stand ein, oder auch sämtliche Filme mit Simon Pegg) – dieser leider nicht. • mehr auf fantasyfilmfest.com

Ich habe jetzt eine willkommene Pause bis 20.15h, dann geht es mit Zombieapokalypse weiter. Bis dahin werde ich noch auf Sweet, Sweet Lonely Girl herumdenken.

20:15 IT STAINS THE SANDS RED
Endlich ein bisschen Partystimmung! Diesen Film trägt eine fantastische Brittany Allen, und zwar ganz allein. Stockholm Syndrome with a twist. Und Tamponwerbung. Mehr wird aber nicht verraten. Der Film ist ihr von den Vicious Brothers auf den Leib geschrieben worden, und die wussten, warum. Ich jetzt auch. Empfehlung!  • mehr auf fantasyfilmfest.com

22:30 GOING TO BRAZIL
Hier habe ich nach einer halben Stunde abgebrochen, also nach der Sexparty mit Todesfall und vor der Hochzeit bzw. dem bis an die Zähne bewaffnet im Bikini um die Häuser ziehen. Ich war von vornherein unschlüssig, ob mich dieser Film wirklich interessiert, aber mit einer Dauerkarte kann man ja mal gucken. Hab geguckt. Hat nicht gezündet. Zudem haben die Tatsache, dass es sich um eine französische Originalfassung mit englischen Untertiteln handelte sowie die Aussicht, nach Filmende 30 min auf die nächste U-Bahn warten zu müssen, die Entscheidung erleichtert: ab nach Hause. Heute geht’s weiter.  • mehr auf fantasyfilmfest.com

Nordische Birke

Noch schnell hinter dem jungen Mann mit dem Aufguss-Eimerchen durch die sich schließende Saunatür schlüpfen, im Stockfinsteren hastig einen Platz suchen, das Handtuch ausbreiten, unter dem Handtuch plötzlich ein Knie (so hoffe ich) fühlen und ein frotteegedämpftes „Hier ist schon besetzt“ hören, dafür vom Wellness-Mitarbeiter getadelt werden: „das hamwa gern, zu spät kommen und dann auch noch Streit anfangen“… so ein Erlebnis gehört tatsächlich in die Kategorie „Peinlichkeiten, die man wider Erwarten überlebt“. Ich habe das für euch getestet.

Was lange währt …

 

Livstykketrøje ist fertig. Fertig! So wie in: muss nix mehr dran gemacht werden. Kann angezogen werden. Finished. Ist kein wip mehr, sondern ein Kleidungsstück. Ja, ich weiß. Ich hab auch nicht mehr wirklich damit gerechnet, aber irgendwoher habe ich Anfang des Jahres den nötigen Schwung genommen, das Teil aus seiner lavendelgesicherten (das wär’s noch gewesen, ’ne Mottenattacke auf der Zielgeraden!) Plastikbox in der Area 51 befreit und es zuende gebracht. Es fehlte im Grunde nur noch die Armkugel des ersten Ärmels, der komplette zweite Ärmel und die Blende für den hinteren Halsausschnitt. 

Die erste Armkugel hab ich dann auch gleich zweimal gestrickt, na klar, bei fünf Jahren kommt es auf die paar Tage auch nicht an. Den zweiten Ärmel habe ich zweimal angeschlagen, beim ersten Mal hab ich mich verzählt. Außerdem hatte ich beim ersten Ärmel bestimmt einen guten Grund dafür, dass ich die Zunahmen nicht so gemacht habe, wie die Anleitung es vorsieht, weder Beginn noch Abstände habe ich eingehalten. Dabei hatte ich mir bestimmt was gedacht. Wenn ich es nur notiert hätte! Aber man plant ja nicht, dass ein Projekt fünf Jahre dauert und dass das Kurzzeitgedächtnis irgendwann sagt „Ich hab hier noch diese Maschenzahlen für den Jackenärmel, braucht das noch irgendwer?“ („Nö, hau weg!“) Nun sind die beiden Ärmel minimal unterschiedlich, aber auch meine Arme sind minimal unterschiedlich, das Rippenmuster verzeiht vieles und ehrlich gesagt sieht das kein Mensch. Selbst ich, die ich sonst, wenn ich weiß, dass ein Fehler drin ist, nur den Fehler sehe, muss echt genau hingucken. Und das mache ich einfach nicht. So.

Ich mag das Jäckchen, ich muss mal schauen, wozu ich es anziehen kann. Zur Hose passt es nicht, dafür ist es zu kurz und die Taille zu hoch, und zur Hose war es auch nie gedacht. Ursprünglich hatte ich ein Kleid dazu genäht, allerdings aus unelastischem Batist und ohne Anpassungen an meine Maße, es saß nicht wirklich gut, ich hab es zweimal getragen und mich ziemlich unwohl darin gefühlt, also hab ich mich davon verabschiedet. Aber ich habe mich ja zwischenzeitlich mit Jersey angefreundet und ich hab noch den Lupita-Schnitt vom Milchmonster hier liegen, ich glaube, die beiden müssten sich vertragen. 

Die Eckdaten: Anleitung Livstykketrøje von Geilsk, dort nur im Kit erhältlich. Das Garn ist Bomuld og Uld (Baumwolle und Wolle im Verhältnis 1:1), mit dem ich jetzt schon drei Teile gestrickt habe, eine wirklich schöne Qualität und in vielen Farben erhältlich. Diese trägt den etwas nüchternen Namen C23. Ich glaube, ich bin für Größe M mit 6 Knäulen ausgekommen, aber ich hatte zwischenzeitlich eins nachgekauft und habe nun eins über. Ich kann’s nicht mehr nachvollziehen. Würde ich das Teil noch einmal stricken? Eher ja. Ich hab aber noch so viele andere Projekte, also wird’s dazu wohl die nächsten Jahre erstmal nicht kommen.

Butternut

Neulich beim Rewe. Die Kassiererin zieht meine Joghurtbecher über den Scanner und guckt dann ratlos. „Butternut“, versuche ich, mich nützlich zu machen. „1,99 das Kilo, aber die Nummer weiß ich natürlich nicht.“ Die Kassiererin stemmt den Kürbis in die Höhe und brüllt „Frau Meieeeeer!“ quer über den Kassenbereich. „Butternut!“, brüllt Frau Meier zurück. „Der steht nicht in der Liste“, konkretisiert meine Kassiererin das Problem. Frau Meier hat die gleiche Liste, zuckt die Schultern und widmet sich wieder ihren Kunden.

Also macht sich meine Kassiererin auf in Richtung Eingangsbereich, dort steht eine ansprechende Präsentation bunter „Zier- und Speisekürbisse, div. Sorten“. „Ich hab den aus der Gemüseabteilung“, mische ich mich nochmal ein, „neben den Zucchini.“ Sie verschwindet im Markt und ich entschuldige mich beim hinter mir wartenden Kunden für mein kompliziertes Gemüse. Der Kunde seufzt. Er hat nur eine Getränkekiste.

Gerade, als ich mich frage, ob ich ihr als Orientierungshilfe vielleicht doch besser die Salatgurken hätte nennen sollen, kommt die Kassiererin zurück. Auf dem Schild stand auch nur Butternut. Keine Nummer. „Frau Meieeeer!“ – „Dann mach Obst & Gemüse 1,99“. Sie tippt 1,99 ein. Ich überlege kurz, ob ich noch weitere Verwirrung stiften soll, entscheide mich aber dagegen und schlucke den Hinweis auf den Kilopreis herunter, zahle und wuchte mein sensationell günstiges Gemüse in die Einkaufstasche. Ich bekomme noch mit, dass die Getränkekiste des Kunden hinter mir zwölf unterschiedliche Flaschen enthält. Die Antwort von Frau Meier höre ich aber nicht mehr.

Konfetti geht nicht in Saal 1

Vom 27. bis zum 30.12. fand auch dieses Jahr wieder der Chaos Communication Congress im Hamburg CCH statt, der 33. insgesamt, der zweite für mich.

Die Tickets waren schwer zu bekommen, der Verkauf auf drei Tage limitiert. Das Kartenkontingent für den ersten Verkaufstag war innerhalb einer Viertelstunde weg, und an den anderen beiden Tagen war es wohl nicht besser. Ich habe trotzdem eines bekommen – der Wollmeise-Shop zu schlimmsten Hype-Zeiten war eine harte, aber gute Schule – und obendrein habe ich kurzfristig Urlaub für die Tage bekommen. Yay!

Wenn ich meine Erfahrungen in diesen vier Tagen in ein Wort fassen soll, dann ist es „überwältigend“. Überall gab es etwas zu gucken, und damit meine ich nicht nur die Vorträge in den Sälen. Von denen habe ich tatsächlich wenige live gesehen, denn die gibt es alle auf media.ccc.de als Aufzeichnung. Ich war viel im Sendezentrum bei den Podcastern. Habe Toby vom Realitätsabgleich bzw. dem Einschlafen Podcast Norderstedter Bier vorbeigebracht. Habe Moni und Chris und Damned Snob getroffen. Und ehemalige Kollegen. Und Thomas aus Wien. Hab meine Jahresration an Mate zu mir genommen, am letzten Tag tatsächlich in Form von Tschunk Slush bei den Jungs vom RaumZeitLabor – an den anderen Tagen war der entweder alle oder noch nicht fertig. Leider habe ich auch diesmal weder ein Schloss geknackt noch löten gelernt – die Lockpicking-Workshops waren ausgebucht und das Löten hat zeitlich auch nicht gepasst. Und ich hatte mir wieder viel zu viel vorgenommen. Und bin teilweise durchs CCH gestolpert und habe mich gefragt, was ich eigentlich hier mache – ich kleines Licht. „Auf der Suche nach der eigenen Zulänglichkeit“, wie Moni es so treffend formulierte. Ich glaube, es ging dort vielen so.

„Konfetti geht nicht in Saal 1“ ist übrigens ein Zitat aus der Closing Ceremony mit Nicolas Wöhrl and Reinhard Remfort, deren Methodisch Inkorrekt Livesendung für mich zu den Highlights der Veranstaltung gehörte. Hier sind ein paar Eindrücke. Dieses Jahr gern wieder, vorausgesetzt, es findet in Hamburg statt.

Das Faser-Crafting-Jahr 2016

Alle Jahre wieder ist es soweit: Ziska hat in der Podcasting auf Deutsch-Gruppe auf Ravelry ein paar Fragen notiert, anhand derer ich mich rückblickend durch mein Jahr 2016 hangeln werde. Ich versuche, es kurz zu machen, mache mir und euch da aber nicht allzu viel Hoffnung. Schauen wir doch erst einmal, was ich mir für 2016 vorgenommen hatte, und was daraus geworden ist:

Stricken
Meine Hauptziel für dieses Jahr war, am Ende weniger angefangene Projekte als am Anfang zu haben.
Ich hatte im Januar 2016 acht Strickprojekte angefangen, die ich zu irgend einem Abschluss bringen wollte. Vier davon habe ich nicht einmal angefasst (Arnhild, Katniss, Chicane, Hitofude Cardigan – die Links führen jeweils zu meiner Projektseite bei Ravelry).
Drei habe ich abgeschlossen (#22154, Jeweled Cowl, the beekeeper’s quilt). Den neverending Livstykketrøje habe ich gerade wieder in Arbeit (und ich hab auch schon wieder fleißig geribbelt, das Ding ist echt ein Montagsprojekt), zwei sind hinzugekommen (Agave, Ripplerock).
Acht minus drei plus zwei macht sieben – das war knapp.

Ich habe aber tatsächlich auch Projekte in 2016 begonnen und abgeschlossen, und zwar zuallererst die Trillian aus der Faseradventskalenderwolle, das Tuch Morning Hours aus dem ersten janukke MKAL, das Tuch Building Blocks aus dem westknits MKAL (von dem es noch kein vernünftiges Foto gibt) und ein weiteres Sonnenfeuer aus Seidenhase Angora. Offensichtlich war 2016 das Jahr des Tuches.

Spinnen
Die bunte Merino, die ich Ende letzten Jahres noch auf dem Rad hatte, ist fertig gesponnen, mein Schaf zur Jacke-Projekt ist gestorben (mehr dazu weiter unten) und ich wollte mir ein neues Spinnrad kaufen – das habe ich getan.

Nähen
Ich wollte mindestens zwei Kleider nähen und ein Oberteil aus dem Jersey vom Holländischen Stoffmarkt. Ich habe vier Oberteile genäht, zwei davon nach dem Schnitt Martha vom Milchmonster. Ich habe mir eine Overlock gekauft und mag sie sehr. Endlich kann ich Jersey, das Material, das ich am liebsten trage, auch gescheit verarbeiten. Was übrigens auch der Grund dafür sein wird, dass das angefangene Bambikleid unangetastet in seiner Projektbox liegt. Weil ich ahne, dass unveränderte Konfektionsschnitte aus unelastischem Material passformmäßig eher unbefriedigend ausfallen und ich Angst vorm fertigen Ergebnis habe.

Kommen wir nun zu den Fragen. Ein Highlight war wohl das Hamburger Wollfest, zu dem ich unter „Events“ noch was sagen werde. Neues ausprobiert habe ich im Rahmen des Westknits MKAL Building Blocks, nämlich zweifarbiges Patent. Ich weiß auch nicht, ich habe eine Twist Collective-Anleitung für einen Cowl, den ich nicht stricken konnte, weil ich diese Technik überhaupt nicht verstanden hatte – und nun war es überhaupt kein Problem. Manche Knoten lösen sich offensichtlich von allein, wenn man sie nur lange genug ignoriert. Ich muss das Teil endlich mal fotografieren.

Ob es Reinfälle gab … ich hab mal irgendwo gelesen „ich verliere nicht. Entweder gewinne ich, oder ich lerne“. Das Schaf-zur-Jacke-Projekt könnte man als Reinfall sehen. Ich habe viel Zeit hineingesteckt und hatte großes vor, und dann habe ich das ganze doch in die Tonne gehauen, als klar war, dass ich unfassbar viel Zeit würde hineinstecken müssen und trotzdem nicht das Ergebnis bekommen würde, das ich mir vorgestellt hatte. Ja, so definiert man wohl scheitern. Ich habe aber auch gelernt, wie man in einer kleinen Mietwohnung ein dreckiges halbes Schaf sauber kriegt, wie man Wolle mit superkleinen Wollkämmen kämmt und dass Rohwollverarbeitung nichts für mich ist. Jedenfalls nicht mit dem Werkzeug, das ich habe, und nicht mit der Zeit, die mir zur Verfügung steht.

2. Der Stash 2016
Zu- oder Abnahme? Eindeutig Zu-, aber nicht so schlimm wie letztes Jahr. Meine (Garn)Vorlieben 2016 waren eigentlich keine anderen als in den Jahren zuvor. Ich mag Wollmeise Twin für Socken und Geilsk Bomuld og Uld für alles andere. Die Woll-Baumwolle-Mischung ist einfach eine wunderbar weiche Qualität in vielen tollen Farben. Und was Stoffe angeht, ist Traumbeere meine liebste Quelle für Jersey.

3. Events und Aktionen
Es gab nur ein nicht-virtuelles Faser-Event, an dem ich teilgenommen habe, insofern war mein Event-Highlight 2016 das Hamburger Wollfest. Das war sehr schön, ich habe einen Workshop bei Chantimanou besucht und nette Menschen getroffen. Und das, obwohl es mir gesundheitlich nicht besonders gut ging und ich eigentlich gar nicht hinfahren wollte.

Gruppenbild mit Ripplerock und Wollfestbeute

4. Und sonst so?
Einen einzelnen Song des Jahres gibt es mal wieder nicht, es gibt noch nichtmal eine Playlist wie im letzten Jahr, denn so viel neue Musik habe ich dieses Jahr gar nicht entdeckt. Die White Lies haben seit Oktober ein neues Album, das mich ernsthaft glücklich macht, gleich mit dem ersten Song.

Den Titel Buch des Jahres hat sich in der Kategorie Belletristik „Sophia, der Tod und ich“ von Thees Uhlmann verdient, was tatsächlich ein ganz schönes Buch ist, aber auch das einzige, das ich gelesen habe. Sachbuch des Jahres ist „Mini Habits“ von Stephen Guise. Das empfehle ich auch munter weiter. Danke, Susanne, für diesen Tipp! Die meisten Bücher habe ich mir auch in diesem Jahr vorlesen lassen. Vierundzwanzig insgesamt. Highlights waren … puh. Der letzte Weynfeldt war wirklich sehr schön, und auch Kühn hat zu tun. Cilla und Rolf Börjlind werde ich auch mal im Auge behalten, und wenn Simon Jäger Fitzek liest, ist das auch immer eine sichere Bank:

Anfang des Jahres bin ich umgezogen und habe nun endlich wieder ein Zuhause, das diese Bezeichnung verdient, und das gehört definitiv zu den drei Dingen, die ich nicht hätte missen wollen. Weitere sind meine Lieblingsmenschen (ihr wisst schon, wen ich meine) und meinen Job. Ich hab seit Mai nach fünf Jahren Selbstständigkeit wieder eine Festanstellung, und nach einem mit holprig noch wohlwollend beschriebenen Start bin ich dort sehr glücklich. Die drei Dinge, auf die ich gut hättest verzichten können sind sehr persönlicher Natur und gehören hier nicht her.

Wovon hast du dich 2016 getrennt? Von meiner beruflichen Selbständigkeit und zum zweiten Mal von sechs Kilo. Herrje, ich hoffe, das war’s jetzt und ich muss die nicht nochmal abnehmen. Aber die Schilddrüsenunterfunktion ist diagnostiziert und wird behandelt, so dass ich ganz zuversichtlich bin, dass die nicht nochmal zurückkommen, sondern ich die verbleibenden zwölf Kilo angehen kann und dann wieder im unteren Normalgewichtsbereich ankomme – dort fühle ich mich erfahrungsgemäß am wohlsten. Und wer weiß, vielleicht laufe ich dann doch irgendwann einen Marathon.

Hast du ein Motto/Vorsätze für 2017? Und wenn ja, welche? Kein neues. Letztes Jahr hatte ich „Erledigt ist besser als perfekt“. Und das hat mir ganz gut gefallen, das nehme ich einfach nochmal.

Hybris

10-hybris

„Ich möchte am janukke MKAL mitstricken“, schrieb eine andere Forenbenutzerin auf Ravelry als Ziel im MMM-Thread. Damit hat es angefangen. Ich so: Oh, ein neuer janukke-MKAL? Der letzte hat Spaß gemacht und das Morning Hours-Tuch ist wirklich sehr schön geworden. Und als ich dann gelesen hatte, dass der MKAL auch mit Socken- und Lacegarnresten bestritten werden kann, war ich an Bord – wenn ich was habe, dann sind es Sockenwollreste. Insbesondere seit ich mich von den Hexipuffs verabschiedet habe und die Sockenwollreste damit quasi arbeitslos geworden sind.

Wie ich von dem Westknits-MKAL (Ravelry-Link) erfahren habe, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Ich glaube, ich bin darüber gestolpert, als ich etwas im Dotted Rays Muster nachschauen wollte, das ich ja auch meinem Zettel habe, um die PondeRosa-Wolle vom Hamburger Wollfest zu verarbeiten. Ich so: Oh, noch ein MKAL. Parallel zu dem von janukke. Tücher kann man ja immer gebrauchen. Aber ich hab da gar kein Garn für. Und wenn ich so meine Strickzeit der letzten Monate rekapituliere wär’s grob unvernünftig. Hmmm.

Das mit dem Garn kann man ja ändern. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und am nächsten Morgen früh um sieben bei Tausendschön bestellt. Und die Wollmeisenreste für den janukke-MKAL zusammengesucht. Ich werde jetzt im Oktober an zwei Tuch-MKALs teilnehmen. Lineares von janukke und Building Blocks von westknits. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.

Time to say Goodbye


Einer der Vorsätze für dieses Jahr war, eine Entscheidung zu treffen, wie es mit dem Beekeepers Quilt weitergehen soll. Begonnen habe ich dieses Projekt mit großer Begeisterung im November 2013. Habe ein paar von den kleinen fluffigen Sechsecken gestrickt. Habe nach fünfundzwanzig Stück die Lust verloren, als mir nach und nach klar wurde, dass es ungefähr ewig dauern würde, die knapp über tausend Hexipuffs für eine Decke der gewünschten Größe zu stricken. Und dann lag das Projekt rum. Bis zum guten Vorsatz Anfang dieses Jahres. Ich habe beschlossen, weiterzumachen, und jeden Monat sechs Stück zu stricken – zwei für jeden Tag, an dem eine Sechs im Datum vorkommt. Mehr waren jederzeit erlaubt, und mehr wurden es zur Fußball-EM, wo ich pro Halbzeit plus die Analyseschwafelviertelstunde danach ein Sechseck geschafft habe. Da musste ich mich aber auch ranhalten – allzu viele Griffe in die Chipstüte oder gebanntes Verharren angesichts eines Spielzuges waren nicht drin. Allerdings war nach der EM wieder sowas von die Luft raus aus dem Projekt und ich habe seitdem nicht mal die anvisierten sechs pro Monat geschafft, sondern lediglich einen. Ü-ber-haupt keine Lust hatte ich.  

Sechs pro Monat – in diesem Tempo hätte ich hundertzweiundsechzigeinhalb Monate gebraucht, um tausend Stück zusammen zu haben. Dreizehn Jahre und neuneinhalb Monate. Ich wäre also ungefähr an meinem 57. Geburtstag fertig gewesen (mit dem Stricken, nicht mit dem Zusammennähen) Alternativ habe ich grob überschlagen, wie viel Strickzeit mir durchschnittlich zu Verfügung steht und wie lange ich brauchen würde, wenn ich meine komplette Zeit nur noch in dieses Projekt stecken würde, und kam auf vierzehn Monate. Schon überschaubarer. Allerdings könnte ich aus dem Stand fünf Strickstücke aufzählen, die ich lieber haben wollte als eine Tagesdecke aus Sechsecken. 

Ich habe mich also entschieden, das Projekt zu beenden, und habe auf Ravelry nach Abnehmern für die zweiundachtzig Hexipuffs gesucht. Vielleicht braucht ja jemand, der selber an dieser Decke arbeitet, einen kleinen Motivationsschub? Und natürlich bekam ich einen großartigen Tipp, das ist einfach einer der Gründe, warum ich dieses Forum so mag. Jo vom Shinybees-Podcast (den ich noch nicht kenne, aber das wird sich in den nächsten Tagen ändern) hat mit der Handfärberin Countess Ablaze eine Charity-Aktion ins Leben gerufen: sie werden Hexipuffs sammeln und zu Decken verarbeiten und diese dann in einer Tombola verlosen. Den Erlös spenden sie an eine wohltätige Organisation, die obdachlose und anderweitig bedürftige Frauen mit Hygieneartikeln versorgt. Ich finde das eine sehr gute Idee und habe heute kurzentschlossen ein Päckchen gepackt und direkt zur Post getragen, bevor ich es mir wieder anders überlege. Ich fühle mich befreit und werde die Aktion weiter verfolgen. Ich bin gespannt, wie viele Sechsecke die Mädels zusammenkriegen und hoffe, ich sehe nachher ein Foto der fertigen Decke.

Martha

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Was lange währt, wird endlich fertig:
Schnitt: Martha vom Milchmonster
Stoff: Jersey, wieder mal aus dem wunderbaren Sortiment von Traumbeere

Eigentlich wollte ich spätestens Ostern damit angefangen haben, aber mein Unterbewusstsein wollte das Teil wohl lieber mit der Overlock nähen. Das ging auch wirklich super. Der Schnitt ist toll und bietet unheimlich viel Spielraum für Variationen – Martha wird bestimmt noch einige Schwestern bekommen.