Was lange währt …

 

Livstykketrøje ist fertig. Fertig! So wie in: muss nix mehr dran gemacht werden. Kann angezogen werden. Finished. Ist kein wip mehr, sondern ein Kleidungsstück. Ja, ich weiß. Ich hab auch nicht mehr wirklich damit gerechnet, aber irgendwoher habe ich Anfang des Jahres den nötigen Schwung genommen, das Teil aus seiner lavendelgesicherten (das wär’s noch gewesen, ’ne Mottenattacke auf der Zielgeraden!) Plastikbox in der Area 51 befreit und es zuende gebracht. Es fehlte im Grunde nur noch die Armkugel des ersten Ärmels, der komplette zweite Ärmel und die Blende für den hinteren Halsausschnitt. 

Die erste Armkugel hab ich dann auch gleich zweimal gestrickt, na klar, bei fünf Jahren kommt es auf die paar Tage auch nicht an. Den zweiten Ärmel habe ich zweimal angeschlagen, beim ersten Mal hab ich mich verzählt. Außerdem hatte ich beim ersten Ärmel bestimmt einen guten Grund dafür, dass ich die Zunahmen nicht so gemacht habe, wie die Anleitung es vorsieht, weder Beginn noch Abstände habe ich eingehalten. Dabei hatte ich mir bestimmt was gedacht. Wenn ich es nur notiert hätte! Aber man plant ja nicht, dass ein Projekt fünf Jahre dauert und dass das Kurzzeitgedächtnis irgendwann sagt „Ich hab hier noch diese Maschenzahlen für den Jackenärmel, braucht das noch irgendwer?“ („Nö, hau weg!“) Nun sind die beiden Ärmel minimal unterschiedlich, aber auch meine Arme sind minimal unterschiedlich, das Rippenmuster verzeiht vieles und ehrlich gesagt sieht das kein Mensch. Selbst ich, die ich sonst, wenn ich weiß, dass ein Fehler drin ist, nur den Fehler sehe, muss echt genau hingucken. Und das mache ich einfach nicht. So.

Ich mag das Jäckchen, ich muss mal schauen, wozu ich es anziehen kann. Zur Hose passt es nicht, dafür ist es zu kurz und die Taille zu hoch, und zur Hose war es auch nie gedacht. Ursprünglich hatte ich ein Kleid dazu genäht, allerdings aus unelastischem Batist und ohne Anpassungen an meine Maße, es saß nicht wirklich gut, ich hab es zweimal getragen und mich ziemlich unwohl darin gefühlt, also hab ich mich davon verabschiedet. Aber ich habe mich ja zwischenzeitlich mit Jersey angefreundet und ich hab noch den Lupita-Schnitt vom Milchmonster hier liegen, ich glaube, die beiden müssten sich vertragen. 

Die Eckdaten: Anleitung Livstykketrøje von Geilsk, dort nur im Kit erhältlich. Das Garn ist Bomuld og Uld (Baumwolle und Wolle im Verhältnis 1:1), mit dem ich jetzt schon drei Teile gestrickt habe, eine wirklich schöne Qualität und in vielen Farben erhältlich. Diese trägt den etwas nüchternen Namen C23. Ich glaube, ich bin für Größe M mit 6 Knäulen ausgekommen, aber ich hatte zwischenzeitlich eins nachgekauft und habe nun eins über. Ich kann’s nicht mehr nachvollziehen. Würde ich das Teil noch einmal stricken? Eher ja. Ich hab aber noch so viele andere Projekte, also wird’s dazu wohl die nächsten Jahre erstmal nicht kommen.

Butternut

Neulich beim Rewe. Die Kassiererin zieht meine Joghurtbecher über den Scanner und guckt dann ratlos. „Butternut“, versuche ich, mich nützlich zu machen. „1,99 das Kilo, aber die Nummer weiß ich natürlich nicht.“ Die Kassiererin stemmt den Kürbis in die Höhe und brüllt „Frau Meieeeeer!“ quer über den Kassenbereich. „Butternut!“, brüllt Frau Meier zurück. „Der steht nicht in der Liste“, konkretisiert meine Kassiererin das Problem. Frau Meier hat die gleiche Liste, zuckt die Schultern und widmet sich wieder ihren Kunden.

Also macht sich meine Kassiererin auf in Richtung Eingangsbereich, dort steht eine ansprechende Präsentation bunter „Zier- und Speisekürbisse, div. Sorten“. „Ich hab den aus der Gemüseabteilung“, mische ich mich nochmal ein, „neben den Zucchini.“ Sie verschwindet im Markt und ich entschuldige mich beim hinter mir wartenden Kunden für mein kompliziertes Gemüse. Der Kunde seufzt. Er hat nur eine Getränkekiste.

Gerade, als ich mich frage, ob ich ihr als Orientierungshilfe vielleicht doch besser die Salatgurken hätte nennen sollen, kommt die Kassiererin zurück. Auf dem Schild stand auch nur Butternut. Keine Nummer. „Frau Meieeeer!“ – „Dann mach Obst & Gemüse 1,99“. Sie tippt 1,99 ein. Ich überlege kurz, ob ich noch weitere Verwirrung stiften soll, entscheide mich aber dagegen und schlucke den Hinweis auf den Kilopreis herunter, zahle und wuchte mein sensationell günstiges Gemüse in die Einkaufstasche. Ich bekomme noch mit, dass die Getränkekiste des Kunden hinter mir zwölf unterschiedliche Flaschen enthält. Die Antwort von Frau Meier höre ich aber nicht mehr.

Konfetti geht nicht in Saal 1

Vom 27. bis zum 30.12. fand auch dieses Jahr wieder der Chaos Communication Congress im Hamburg CCH statt, der 33. insgesamt, der zweite für mich.

Die Tickets waren schwer zu bekommen, der Verkauf auf drei Tage limitiert. Das Kartenkontingent für den ersten Verkaufstag war innerhalb einer Viertelstunde weg, und an den anderen beiden Tagen war es wohl nicht besser. Ich habe trotzdem eines bekommen – der Wollmeise-Shop zu schlimmsten Hype-Zeiten war eine harte, aber gute Schule – und obendrein habe ich kurzfristig Urlaub für die Tage bekommen. Yay!

Wenn ich meine Erfahrungen in diesen vier Tagen in ein Wort fassen soll, dann ist es „überwältigend“. Überall gab es etwas zu gucken, und damit meine ich nicht nur die Vorträge in den Sälen. Von denen habe ich tatsächlich wenige live gesehen, denn die gibt es alle auf media.ccc.de als Aufzeichnung. Ich war viel im Sendezentrum bei den Podcastern. Habe Toby vom Realitätsabgleich bzw. dem Einschlafen Podcast Norderstedter Bier vorbeigebracht. Habe Moni und Chris und Damned Snob getroffen. Und ehemalige Kollegen. Und Thomas aus Wien. Hab meine Jahresration an Mate zu mir genommen, am letzten Tag tatsächlich in Form von Tschunk Slush bei den Jungs vom RaumZeitLabor – an den anderen Tagen war der entweder alle oder noch nicht fertig. Leider habe ich auch diesmal weder ein Schloss geknackt noch löten gelernt – die Lockpicking-Workshops waren ausgebucht und das Löten hat zeitlich auch nicht gepasst. Und ich hatte mir wieder viel zu viel vorgenommen. Und bin teilweise durchs CCH gestolpert und habe mich gefragt, was ich eigentlich hier mache – ich kleines Licht. „Auf der Suche nach der eigenen Zulänglichkeit“, wie Moni es so treffend formulierte. Ich glaube, es ging dort vielen so.

„Konfetti geht nicht in Saal 1“ ist übrigens ein Zitat aus der Closing Ceremony mit Nicolas Wöhrl and Reinhard Remfort, deren Methodisch Inkorrekt Livesendung für mich zu den Highlights der Veranstaltung gehörte. Hier sind ein paar Eindrücke. Dieses Jahr gern wieder, vorausgesetzt, es findet in Hamburg statt.

Das Faser-Crafting-Jahr 2016

Alle Jahre wieder ist es soweit: Ziska hat in der Podcasting auf Deutsch-Gruppe auf Ravelry ein paar Fragen notiert, anhand derer ich mich rückblickend durch mein Jahr 2016 hangeln werde. Ich versuche, es kurz zu machen, mache mir und euch da aber nicht allzu viel Hoffnung. Schauen wir doch erst einmal, was ich mir für 2016 vorgenommen hatte, und was daraus geworden ist:

Stricken
Meine Hauptziel für dieses Jahr war, am Ende weniger angefangene Projekte als am Anfang zu haben.
Ich hatte im Januar 2016 acht Strickprojekte angefangen, die ich zu irgend einem Abschluss bringen wollte. Vier davon habe ich nicht einmal angefasst (Arnhild, Katniss, Chicane, Hitofude Cardigan – die Links führen jeweils zu meiner Projektseite bei Ravelry).
Drei habe ich abgeschlossen (#22154, Jeweled Cowl, the beekeeper’s quilt). Den neverending Livstykketrøje habe ich gerade wieder in Arbeit (und ich hab auch schon wieder fleißig geribbelt, das Ding ist echt ein Montagsprojekt), zwei sind hinzugekommen (Agave, Ripplerock).
Acht minus drei plus zwei macht sieben – das war knapp.

Ich habe aber tatsächlich auch Projekte in 2016 begonnen und abgeschlossen, und zwar zuallererst die Trillian aus der Faseradventskalenderwolle, das Tuch Morning Hours aus dem ersten janukke MKAL, das Tuch Building Blocks aus dem westknits MKAL (von dem es noch kein vernünftiges Foto gibt) und ein weiteres Sonnenfeuer aus Seidenhase Angora. Offensichtlich war 2016 das Jahr des Tuches.

Spinnen
Die bunte Merino, die ich Ende letzten Jahres noch auf dem Rad hatte, ist fertig gesponnen, mein Schaf zur Jacke-Projekt ist gestorben (mehr dazu weiter unten) und ich wollte mir ein neues Spinnrad kaufen – das habe ich getan.

Nähen
Ich wollte mindestens zwei Kleider nähen und ein Oberteil aus dem Jersey vom Holländischen Stoffmarkt. Ich habe vier Oberteile genäht, zwei davon nach dem Schnitt Martha vom Milchmonster. Ich habe mir eine Overlock gekauft und mag sie sehr. Endlich kann ich Jersey, das Material, das ich am liebsten trage, auch gescheit verarbeiten. Was übrigens auch der Grund dafür sein wird, dass das angefangene Bambikleid unangetastet in seiner Projektbox liegt. Weil ich ahne, dass unveränderte Konfektionsschnitte aus unelastischem Material passformmäßig eher unbefriedigend ausfallen und ich Angst vorm fertigen Ergebnis habe.

Kommen wir nun zu den Fragen. Ein Highlight war wohl das Hamburger Wollfest, zu dem ich unter „Events“ noch was sagen werde. Neues ausprobiert habe ich im Rahmen des Westknits MKAL Building Blocks, nämlich zweifarbiges Patent. Ich weiß auch nicht, ich habe eine Twist Collective-Anleitung für einen Cowl, den ich nicht stricken konnte, weil ich diese Technik überhaupt nicht verstanden hatte – und nun war es überhaupt kein Problem. Manche Knoten lösen sich offensichtlich von allein, wenn man sie nur lange genug ignoriert. Ich muss das Teil endlich mal fotografieren.

Ob es Reinfälle gab … ich hab mal irgendwo gelesen „ich verliere nicht. Entweder gewinne ich, oder ich lerne“. Das Schaf-zur-Jacke-Projekt könnte man als Reinfall sehen. Ich habe viel Zeit hineingesteckt und hatte großes vor, und dann habe ich das ganze doch in die Tonne gehauen, als klar war, dass ich unfassbar viel Zeit würde hineinstecken müssen und trotzdem nicht das Ergebnis bekommen würde, das ich mir vorgestellt hatte. Ja, so definiert man wohl scheitern. Ich habe aber auch gelernt, wie man in einer kleinen Mietwohnung ein dreckiges halbes Schaf sauber kriegt, wie man Wolle mit superkleinen Wollkämmen kämmt und dass Rohwollverarbeitung nichts für mich ist. Jedenfalls nicht mit dem Werkzeug, das ich habe, und nicht mit der Zeit, die mir zur Verfügung steht.

2. Der Stash 2016
Zu- oder Abnahme? Eindeutig Zu-, aber nicht so schlimm wie letztes Jahr. Meine (Garn)Vorlieben 2016 waren eigentlich keine anderen als in den Jahren zuvor. Ich mag Wollmeise Twin für Socken und Geilsk Bomuld og Uld für alles andere. Die Woll-Baumwolle-Mischung ist einfach eine wunderbar weiche Qualität in vielen tollen Farben. Und was Stoffe angeht, ist Traumbeere meine liebste Quelle für Jersey.

3. Events und Aktionen
Es gab nur ein nicht-virtuelles Faser-Event, an dem ich teilgenommen habe, insofern war mein Event-Highlight 2016 das Hamburger Wollfest. Das war sehr schön, ich habe einen Workshop bei Chantimanou besucht und nette Menschen getroffen. Und das, obwohl es mir gesundheitlich nicht besonders gut ging und ich eigentlich gar nicht hinfahren wollte.

Gruppenbild mit Ripplerock und Wollfestbeute

4. Und sonst so?
Einen einzelnen Song des Jahres gibt es mal wieder nicht, es gibt noch nichtmal eine Playlist wie im letzten Jahr, denn so viel neue Musik habe ich dieses Jahr gar nicht entdeckt. Die White Lies haben seit Oktober ein neues Album, das mich ernsthaft glücklich macht, gleich mit dem ersten Song.

Den Titel Buch des Jahres hat sich in der Kategorie Belletristik „Sophia, der Tod und ich“ von Thees Uhlmann verdient, was tatsächlich ein ganz schönes Buch ist, aber auch das einzige, das ich gelesen habe. Sachbuch des Jahres ist „Mini Habits“ von Stephen Guise. Das empfehle ich auch munter weiter. Danke, Susanne, für diesen Tipp! Die meisten Bücher habe ich mir auch in diesem Jahr vorlesen lassen. Vierundzwanzig insgesamt. Highlights waren … puh. Der letzte Weynfeldt war wirklich sehr schön, und auch Kühn hat zu tun. Cilla und Rolf Börjlind werde ich auch mal im Auge behalten, und wenn Simon Jäger Fitzek liest, ist das auch immer eine sichere Bank:

Anfang des Jahres bin ich umgezogen und habe nun endlich wieder ein Zuhause, das diese Bezeichnung verdient, und das gehört definitiv zu den drei Dingen, die ich nicht hätte missen wollen. Weitere sind meine Lieblingsmenschen (ihr wisst schon, wen ich meine) und meinen Job. Ich hab seit Mai nach fünf Jahren Selbstständigkeit wieder eine Festanstellung, und nach einem mit holprig noch wohlwollend beschriebenen Start bin ich dort sehr glücklich. Die drei Dinge, auf die ich gut hättest verzichten können sind sehr persönlicher Natur und gehören hier nicht her.

Wovon hast du dich 2016 getrennt? Von meiner beruflichen Selbständigkeit und zum zweiten Mal von sechs Kilo. Herrje, ich hoffe, das war’s jetzt und ich muss die nicht nochmal abnehmen. Aber die Schilddrüsenunterfunktion ist diagnostiziert und wird behandelt, so dass ich ganz zuversichtlich bin, dass die nicht nochmal zurückkommen, sondern ich die verbleibenden zwölf Kilo angehen kann und dann wieder im unteren Normalgewichtsbereich ankomme – dort fühle ich mich erfahrungsgemäß am wohlsten. Und wer weiß, vielleicht laufe ich dann doch irgendwann einen Marathon.

Hast du ein Motto/Vorsätze für 2017? Und wenn ja, welche? Kein neues. Letztes Jahr hatte ich „Erledigt ist besser als perfekt“. Und das hat mir ganz gut gefallen, das nehme ich einfach nochmal.

Hybris

10-hybris

„Ich möchte am janukke MKAL mitstricken“, schrieb eine andere Forenbenutzerin auf Ravelry als Ziel im MMM-Thread. Damit hat es angefangen. Ich so: Oh, ein neuer janukke-MKAL? Der letzte hat Spaß gemacht und das Morning Hours-Tuch ist wirklich sehr schön geworden. Und als ich dann gelesen hatte, dass der MKAL auch mit Socken- und Lacegarnresten bestritten werden kann, war ich an Bord – wenn ich was habe, dann sind es Sockenwollreste. Insbesondere seit ich mich von den Hexipuffs verabschiedet habe und die Sockenwollreste damit quasi arbeitslos geworden sind.

Wie ich von dem Westknits-MKAL (Ravelry-Link) erfahren habe, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Ich glaube, ich bin darüber gestolpert, als ich etwas im Dotted Rays Muster nachschauen wollte, das ich ja auch meinem Zettel habe, um die PondeRosa-Wolle vom Hamburger Wollfest zu verarbeiten. Ich so: Oh, noch ein MKAL. Parallel zu dem von janukke. Tücher kann man ja immer gebrauchen. Aber ich hab da gar kein Garn für. Und wenn ich so meine Strickzeit der letzten Monate rekapituliere wär’s grob unvernünftig. Hmmm.

Das mit dem Garn kann man ja ändern. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und am nächsten Morgen früh um sieben bei Tausendschön bestellt. Und die Wollmeisenreste für den janukke-MKAL zusammengesucht. Ich werde jetzt im Oktober an zwei Tuch-MKALs teilnehmen. Lineares von janukke und Building Blocks von westknits. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.

Time to say Goodbye


Einer der Vorsätze für dieses Jahr war, eine Entscheidung zu treffen, wie es mit dem Beekeepers Quilt weitergehen soll. Begonnen habe ich dieses Projekt mit großer Begeisterung im November 2013. Habe ein paar von den kleinen fluffigen Sechsecken gestrickt. Habe nach fünfundzwanzig Stück die Lust verloren, als mir nach und nach klar wurde, dass es ungefähr ewig dauern würde, die knapp über tausend Hexipuffs für eine Decke der gewünschten Größe zu stricken. Und dann lag das Projekt rum. Bis zum guten Vorsatz Anfang dieses Jahres. Ich habe beschlossen, weiterzumachen, und jeden Monat sechs Stück zu stricken – zwei für jeden Tag, an dem eine Sechs im Datum vorkommt. Mehr waren jederzeit erlaubt, und mehr wurden es zur Fußball-EM, wo ich pro Halbzeit plus die Analyseschwafelviertelstunde danach ein Sechseck geschafft habe. Da musste ich mich aber auch ranhalten – allzu viele Griffe in die Chipstüte oder gebanntes Verharren angesichts eines Spielzuges waren nicht drin. Allerdings war nach der EM wieder sowas von die Luft raus aus dem Projekt und ich habe seitdem nicht mal die anvisierten sechs pro Monat geschafft, sondern lediglich einen. Ü-ber-haupt keine Lust hatte ich.  

Sechs pro Monat – in diesem Tempo hätte ich hundertzweiundsechzigeinhalb Monate gebraucht, um tausend Stück zusammen zu haben. Dreizehn Jahre und neuneinhalb Monate. Ich wäre also ungefähr an meinem 57. Geburtstag fertig gewesen (mit dem Stricken, nicht mit dem Zusammennähen) Alternativ habe ich grob überschlagen, wie viel Strickzeit mir durchschnittlich zu Verfügung steht und wie lange ich brauchen würde, wenn ich meine komplette Zeit nur noch in dieses Projekt stecken würde, und kam auf vierzehn Monate. Schon überschaubarer. Allerdings könnte ich aus dem Stand fünf Strickstücke aufzählen, die ich lieber haben wollte als eine Tagesdecke aus Sechsecken. 

Ich habe mich also entschieden, das Projekt zu beenden, und habe auf Ravelry nach Abnehmern für die zweiundachtzig Hexipuffs gesucht. Vielleicht braucht ja jemand, der selber an dieser Decke arbeitet, einen kleinen Motivationsschub? Und natürlich bekam ich einen großartigen Tipp, das ist einfach einer der Gründe, warum ich dieses Forum so mag. Jo vom Shinybees-Podcast (den ich noch nicht kenne, aber das wird sich in den nächsten Tagen ändern) hat mit der Handfärberin Countess Ablaze eine Charity-Aktion ins Leben gerufen: sie werden Hexipuffs sammeln und zu Decken verarbeiten und diese dann in einer Tombola verlosen. Den Erlös spenden sie an eine wohltätige Organisation, die obdachlose und anderweitig bedürftige Frauen mit Hygieneartikeln versorgt. Ich finde das eine sehr gute Idee und habe heute kurzentschlossen ein Päckchen gepackt und direkt zur Post getragen, bevor ich es mir wieder anders überlege. Ich fühle mich befreit und werde die Aktion weiter verfolgen. Ich bin gespannt, wie viele Sechsecke die Mädels zusammenkriegen und hoffe, ich sehe nachher ein Foto der fertigen Decke.

Martha

HipstamaticPhoto-494006896.755724

Was lange währt, wird endlich fertig:
Schnitt: Martha vom Milchmonster
Stoff: Jersey, wieder mal aus dem wunderbaren Sortiment von Traumbeere

Eigentlich wollte ich spätestens Ostern damit angefangen haben, aber mein Unterbewusstsein wollte das Teil wohl lieber mit der Overlock nähen. Das ging auch wirklich super. Der Schnitt ist toll und bietet unheimlich viel Spielraum für Variationen – Martha wird bestimmt noch einige Schwestern bekommen.

Die letzten zweieinhalb Monate in zehn Minuten …

Ich habe seit Mai einen neuen Job. Festanstellung, Vollzeit. Manchmal sehr volle Vollzeit. Ich bin abends meist recht platt und handarbeite zur Zeit wenig, und nach 40+x Stunden vor dem Bildschirm habe ich auch nur noch wenig Antrieb, mich zum bloggen hinzusetzen. Außerdem wird’s hier im Sommer ja ohnehin weniger, da bin ich eher draußen. Und jetzt gibt es auch noch Pokémon Go, herrje, das hat mich ja voll erwischt. Drüben auf Ravelry bin ich noch recht aktiv, wenn man es als „aktiv“ gelten lässt, dass ich durch meine Lieblingsforen gucke und Herzchen verteile. Na gut, und ich pflege meine Projekte und melde mich brav jeden Monat in der Podcasting auf deutsch-Gruppe zum MMM Check-In (MMM wie „Motivation, Meilensteine, Mottomonate“). Und staune, was dann über den Monat doch zusammengekommen ist, obwohl ich eigentlich nicht das Gefühl hatte, irgendwas geschafft zu haben.

05-07_Mai

Ich habe im Mai aus der Angora Pure von Seidenhase, die ich im Oktober in Vaterstetten gekauft habe, ein weiteres Sonnenfeuer angeschlagen. Da bin ich auch noch bei, die erste Hälfte ist fast fertig. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, vor der Tour de Fleece die GOTS-Merino von der Stockumer Wollwerkstatt endlich vom Rad zu kriegen. Die war da nämlich seit Januar 2015 drauf und so langsam wollte ich mal was anderes sehen. Ich hab also ordentlich ins Pedal getreten …

05-07_Juni

… und im Juni war dann alles versponnen. 250g, irgendwo zwischen Fingering und Sport Weight. Und außerdem war Fußball-EM, da habe ich jede Menge Hexipuffs für den Beekeepers Quilt gestrickt. Die eignen sich nämlich hervorragend als Nebenbei-Projekt, und wenn ich mich ranhalte, schaffe ich pro Halbzeit eines. Und ich habe viele Spiele gesehen. Jetzt ist auch erstmal wieder gut mit Fußball. Und mit Hexipuffs. Ich glaube, seit der EM ist ein einziger fertig geworden. Eine Projekttasche hab ich noch genäht, weil die Angorawolle zum Mitnehmen eine nettere Aufbewahrung verdient als eine Plastiktüte und weil ich endlich was mit meinem tollen Oktopusstoff machen wollte, den ich schon seit Jahren bunkere. Einen halben Meter davon, um genau zu sein. Große Couture wird da eh nicht draus.

05-07_Juli

Im Juli war ich dann wieder etwas produktiver. Ich habe 110g Merino-Seidenmischung versponnen, das fertige Garn hat etwa 260m und könnte zum Beispiel eine Mütze werden. Dann habe ich nach dieser Anleitung aus Denim-Resten und einem Schlüsselband eine Handytasche zum Umhängen genäht. So etwas brauchte ich eigentlich seit Jahren immer dann, wenn ich im Sommer nichts mit Taschen anhatte, um das hörbuchabspielende Gerät zu verstauen. Die früheren Geräte konnte ich zur Not leidlich in den BH stopfen, musste aber auch da bei jeder Bewegung aufpassen, und seit dem iPhone 6 geht das nicht mehr. Ich könnte natürlich die Oberarmtasche, die ich auch zum Laufen verwende, nehmen, ich mag aber nicht über Stunden etwas an den Arm geschnallt haben. Und um dann mal etwas völlig anderes zu machen, habe ich mich im Kurs „Sketchbook Explorations“ auf creativebug eingeschrieben. Die erste Episode mit Wasserfarben und Fineliner war am Sonntag sehr entspannend. Ich würde eigentlich morgen gern die nächste machen. Eigentlich. Denn ein neuer regelmäßiger Job geht auch mit neuem regelmäßigen Gehalt einher. Ich habe die Tage den Sparstrumpf auf links gezogen und meinen Maschinenpark um ein Kromski Sonata und eine Bernina 1150 MDA erweitert. Jetzt rohrkrepiert meine Wochenendplanung an akuter Optionsparalyse. Selber schuld.

Morning Hours

Morninghoursfinal2

So. Bevor jetzt auch noch der Mai verstreicht, ohne dass ich hier im Blog ein Lebenszeichen von mir gebe, zeige ich euch zumindest das fertige Stück aus dem Morning Hours Mystery KAL von janukke. Streng genommen ist es schon im April fertig geworden, und dank des hier im Norden eher mistigen Wetters bin ich sogar noch dazu gekommen, es zu tragen. Die Anleitung bestand aus drei Hinweisen, einer für den „Körper“ in dem Strukturmuster, einer für die „Melonenborte“ – das, was da so nach Zopf aussieht. Das ist gar kein Zopf, sondern eine interessante Technik, bei der einzelne Maschen nacheinander über andere gezogen werden und nicht einfach verkreuzt, das Ergebnis ist flacher und hat in der Mitte diese Hebemaschenoptik. Ich finde das sehr schön und tu mir das mal für eigene Entwürfe in den Hinterkopf. Und der dritte Hinweis war dann nur noch die iCord-Abschlusskante drumherum, die etwa hundert Jahre dauert, aber einen sehr schönen, sauberen Abschluss bildet und unter der man alle Fadenwechsel hervorragend verstecken kann. Insgesamt gefällt es mir sehr. Ich habe nicht das in der Anleitung vorgeschlagene und auch als Kit zum KAL-Start erhältliche Garn von Frida Fuchs verwendet, sondern die Geilsk Bomuld og Uld, aus der ich vor zwei Jahren ein Trekantsområdet gestrickt habe (das blau im Tuch ist sogar ein Rest davon, ich habe jetzt also das perfekt passende Tuch zum Oberteil!), außerdem hab ich aus diesem Garn seit 2012 noch den neverending Livstykketrøje in Arbeit. Eins meiner Ziele für dieses Jahr ist ja erwähntermaßen die Aufarbeitung von „Altlasten“, was eigentlich ein fürchterlich negativer Begriff für dieses zauberhafte Strickjäckchen ist. Und nachdem ich mit diesem wirklich tollen Garn gearbeitet habe, habe ich auch wirklich wieder Lust dazu. Und es fehlen ja auch nur noch die Ärmel. Go, Julia, go!

Frau Marlene

FrauMarlene

Nur ganz kurz: Fertig! :)
Schnitt: FrauMarlene von schnittreif
Stoff: Jersey von Traumbeere

m11-fuerMarthaEigentlich wollte ich dort nur Stoff nachbestellen. Ich habe auf dem Stoffmarkt Holland im letzten Jahr den großgeblümten Jersey auf dem Bild mitgenommen, ohne konkrete Idee, was aus ihm einmal werden sollte. Ich habe mich entschieden, dass ich daraus eine Martha vom Milchmonster nähen möchte, dafür brauchte ich aber noch einen zweiten Stoff. Also habe ich die Variante mit den kleinen Blümchen dazubestellt. Und damit die sich im Paket so ganz allein nicht langweilt, damit sich die Versandkosten lohnen und weil ich spontan verliebt war, sind die Füchse noch mit ins hineingeraten. Die hab ich dann aber wenigstens unmittelbar verarbeitet.

Und was Martha angeht, werde mich vielleicht schon über die Osterntage mal ans Werk machen. Vorausgesetzt, ich kann mich dazu aufraffen, den aus gefühlt siebenundachtzig A4-Seiten bestehenden Papierschnitt auszudrucken und zusammenzukleben.